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10. Station: Roferweg, Haldenanschnitt und spätmittelalterliche Erzaufbereitung

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    Foto: Prof. Dr. Rüdiger Krause und Mitarbeiter, Institut für Archäologische Wissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Prof. Dr. Rüdiger Krause, Montafon-Projekt der Goethe-Universität Frankfurt am Main
Karte / 10. Station: Roferweg, Haldenanschnitt und spätmittelalterliche Erzaufbereitung

Spätmittelalterliche Erzaufbereitung am Roferweg, Gewann Inner der Kirche

In den ehemaligen Bergbaurevieren in den Gewannen Knappagruaba und Worms am Bartholomäberg finden sich umfangreiche und heute noch gut sichtbare Bergbauspuren. Es sind Stollenmundlöcher und kleinere und größere Halden mit Taubgestein oder Bergbau-Pingen. Anhaltspunkte zur Erzaufbereitung oder zur weiteren Verarbeitung des Erzes waren bisher nicht bekannt.

Im September 2007 wurde am Bartholomäberg unterhalb der mittelalterlichen Bergbauzone in einer Baugrube am ehemaligen Bergknappenweg ein unerwarteter Befund angeschnitten. In einem 3,4 m hohen Baugrubenprofil war der untere Teil einer großen Bergbauhalde angeschnitten, deren Mundloch etwa 40 m oberhalb am Hang liegt und heute noch gut zu erkennen ist. Die Halde besteht überwiegend aus größeren Gesteinsbrocken mit Erzen, darunter auch Fahlerze. Außerdem fanden sich Hölzer aus dem ehemaligen Grubenverbau.

In ca. 3 m Tiefe überdeckte die Halde mehrere unterschiedliche Schichten. Es war eine Schicht aus feinem Steinsplitt, die über einer Lehmschicht lag. Es handelt sich um die Reste einer großen Lehmwanne, in der mit Hilfe von Wasser (Nassaufbereitung) mechanisch das zerkleinerte (gepochte) Erz vom Taubgestein getrennt wurde. Damit konnten erstmals archäologische Belege für eine Verarbeitung des gewonnenen Erzes hier oben am Berg erbracht werden. 

 

Vor Ort konnten zunächst noch keine Anhaltspunkte zur Datierung der Halde und der darunter gelegenen Erzaufbereitung gewonnen werden. Jedoch konnten vier größere Hölzer aus der Halde mit Hilfe der Jahrringchronologie (Dendrochronologie) datiert werden. Sie wurden im Zeitraum 1522/1523 n. Chr. geschlagen und liefern einen terminus post quem für die zeitliche Einordnung der Abraumhalde und des dazu gehörenden Bergbaus. Aus dem darunter gelegenen, gepochten Taubgestein konnten zwei kleine Hölzchen datiert werden, deren kalibrierte Radiokarbonalter den Zeitraum zwischen 1430 und 1670 n. Chr. abdecken. Den Datierungen der darüber gelegenen Hölzer zufolge entstammt diese Schicht der Zeit zwischen 1430 und 1522 n. Chr. Unterhalb der Lehmwanne befanden sich auf der alten Oberfläche zahlreiche Holzkohlen, von denen zwei mit der AMS C14-Methode datiert wurden. An der Jahrringkurve kalibriert, decken die tatsächlichen Alter einen Zeitraum von 1240 bis 1400 n. Chr. ab.

Damit liegt eine Sequenz von Befunden des Bergbaus im Montafon vor, die durch naturwissenschaftliche Verfahren in das Spätmittelalter datiert werden kann. Von besonderer Bedeutung ist, dass erstmals die Nassaufbereitung zur Trennung von Erz und Taubgestein für den Zeitraum des 13./14. Jahrhunderts n. Chr. nachgewiesen werden konnte. Die datierten Hölzer aus der darüber gelegenen Halde zeigen, dass die Nassaufbereitung in der Zeit nach 1522/23 n. Chr. überdeckt wurde.

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Autor

Montafon-Projekt der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Texte: Prof. Dr. Rüdiger Krause und Mitarbeiter, Institut für Archäologie Wissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Aktualisierung: 22.05.2017

Anreise mit der Bahn, dem Auto, zu Fuß oder mit dem Rad

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