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4. Station: Steinkreuz (Sühnekreuz)

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    Foto: Prof. Dr. Rüdiger Krause und Mitarbeiter, Institut für Archäologische Wissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Prof. Dr. Rüdiger Krause, Montafon-Projekt der Goethe-Universität Frankfurt am Main
Karte / 4. Station: Steinkreuz (Sühnekreuz)

Das Steinkreuz unterhalb der Bartholomäberger Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Bartholomäus

Unterhalb der Friedhofsmauer der heutigen Barockkirche von Bartholomäberg steht an dem schmalen Pfad, der von der Platta kommend vorbei am alten Gasthof Adler hinauf zur Kirche führt, ein  „altes“ Steinkreuz. Weder das Alter noch der Anlass seiner Aufstellung sind heute noch bekannt, jedoch rankt sich wie bei vielen dieser Stein- oder Sühnekreuze eine Sage. Das Steinkreuz steht an der Trasse des historisch überlieferten Bergknappenwegs und die vom Tal Kommenden, darunter auch Bergleute, mussten das Kreuz passieren.

 

Die Sage rankt sich um einen Bergknappen, der Wortlaut der Sage lautet (nach Edith Scheibenstock 1982):

Ein Bergknappe hatte einem Mädchen die Heirat versprochen. Später wurde er ihr untreu und brach sein Versprechen. Alsbald stellte ihn das Mädchen zur Rede. Der Knappe leugnete alles ab und tat den fürchterlichen Ausspruch: „Wenn ich die andere heirate, soll mich der Teufel holen!“ Nach einigen Wochen führte der die andere Frau zum Altare. Auf den furchtbaren Schwur, der er getan hatte, achtete er nicht mehr. Als er vor dem Hochaltar kniete, und der Pfarrer die Trauung vornehmen wollte, floh der Knappe auf einmal von der Seite seiner Braut, stürzte wie ein Rasender zur Kirche hinaus und setzte mit einem Sprung über die hohe Friedhofmauer. Der Mesner, der dem Knappen bis auf den Friedhof nachgelaufen war, sah nur noch, wie der Bursche vom Erdboden verschlungen wurde. Der Teufel holte den Frevler vom Altare weg, erreichte ihn außerhalb der Kirche und zog ihn, wo jetzt das Steinkreuz steht, in die Hölle hinunter.

 

Steinkreuze oder Sühnekreuze bzw. Gedenkkreuze zählen zu den ältesten Flurdenkmälern und wurden hauptsächlich in der Zeit zwischen 1300 und dem 17. Jahrhundert aufgestellt. Sie sind heute noch unabdingbare Zeugen eines mittelalterlichen Rechtsbrauch und einer darin begründeten Erinnerungsgeschichte, deren geistesgeschichtlicher Hintergrund in den katholischen Kulturrräumen lag. Der Vorübergehende sollte inne halten und eine Fürbitte für den Verstorbenen leisten. In evangelischen Gegenden erlosch dieser Brauch ab 1530. Der ursprüngliche Grund der Aufstellung der Steinkreuze ist indessen anhand von Urkunden nur von wenigen Steinkreuzen bekannt.

Die meisten scheinen jedoch im Zusammenhang mit Totschlagsdelikten zu stehen. Dabei wurde auf Wunsch der Hinterbliebenen am Tatort oder in der Nähe auf Kosten des Täters ein solches Steinkreuz oder Sühnekreuz aufgestellt. Die Gründe für die Aufstellung des Bartholomäberger Steinkreuzes kennen wir nicht; die Sage jedoch verbindet es mit dem Bergbau und mit den Bergknappen und wir dürfen auch in diesem Fall analog zu vielen anderen Stein- und Sühnekreuzen, von einem Todschlagdelikt ausgehen. Entsprechend dem Alter der Vorgängerbauten der heutigen Barockkirche, die mindestens bis 1100 in das Hochmittelalter zurückreichen, lässt Raum für einen weiten Datierungsansatz, so dass das Kreuz durchaus in das Mittelalter datieren könnte. Heute stellt das Steinkreuz ein besonderes Kulturdenkmal einer weit zurückliegenden Zeit dar, das es für die Zukunft zu bewahren gilt.

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Montafon-Projekt der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Texte: Prof. Dr. Rüdiger Krause und Mitarbeiter, Institut für Archäologie Wissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Aktualisierung: 22.05.2017

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