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8. Station: Tschuga Moor

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  • Tschuga Moor
    / Tschuga Moor
    Foto: Prof. Dr. Rüdiger Krause und Mitarbeiter, Institut für Archäologische Wissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Prof. Dr. Rüdiger Krause, Montafon-Projekt der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Infotafel am Tschuga Moors
    / Infotafel am Tschuga Moors
    Foto: Prof. Dr. Rüdiger Krause und Mitarbeiter, Institut für Archäologische Wissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Prof. Dr. Rüdiger Krause, Montafon-Projekt der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Pollenprofil Moor Tschuga
    / Pollenprofil Moor Tschuga
    Foto: Prof. Dr. Rüdiger Krause und Mitarbeiter, Institut für Archäologische Wissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Prof. Dr. Rüdiger Krause, Montafon-Projekt der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Ausmessungen Tschuga Moor
    / Ausmessungen Tschuga Moor
    Foto: Prof. Dr. Rüdiger Krause und Mitarbeiter, Institut für Archäologische Wissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Prof. Dr. Rüdiger Krause, Montafon-Projekt der Goethe-Universität Frankfurt am Main
Karte / 8. Station: Tschuga Moor

Unberührtes Gebirge oder alte Kulturlandschaft?
Auf Spurensuche im Tschuga Moor - zur Vegetationsgeschichte im Montafon

Das Montafon ist heute durch ein Mosaik aus Wiesen, Weiden, Wald und Siedlungen geprägt. Aber was gerne als unberührte Naturlandschaft bezeichnet wird, ist in erster Linie das Ergebnis einer Jahrtausende währenden Nutzung durch den Menschen und seine Tiere sowie von Bergbauaktivitäten. Von Natur aus würden Laubmischwälder in der kollinen und montanen Stufe vorherrschen. In diese Waldlandschaft griff aber bereits vor 5000 Jahren der Mensch ein, so dass erste Freiflächen entstanden. In der Bronzezeit kam es gar zu einer Ausweitung des Nutzungsraums bis in Höhen von über 2000 m, und die Menschen schufen dort, wo eigentlich dichte subalpine Fichten-Tannen-Urwälder vorherrschen, erste Weideflächen für ihr Vieh. In den folgenden Jahrtausenden gestaltete der Mensch die Landschaft immer stärker. Wälder wurden gerodet, Ackerflächen angelegt und Weiden geschaffen. Schließlich kamen auch noch die Folgen des Bergbaus hinzu, als dessen deutlichste Hinterlassenschaften die teilweise mächtigen Halden noch gut zu erkennen sind. Diese Faktoren formten gemeinsam letztlich die heutige Landschaft des Montafons, eine Kulturlandschaft.

Wann, wo und wie stark die menschlichen Eingriffe in das Naturgefüge waren, ver-raten uns vor allem pflanzliche Reste. Ihre Analyse lässt Rückschlüsse auf die damaligen Umweltbedingungen wie Klima, Vegetation und Wirtschaftsweise, aber auch auf die Art der Ernährung zu. Die Identifizierung von Pollenkörnern (ihre Größe schwankt zwischen 10 und 200 µm (1 Mikrometer = 1 Tausendstel Millimeter) spielt bei diesen Untersuchungen eine wesentliche Rolle, denn ihre zersetzungs-resistente Form ermöglicht es, sie auch noch nach Jahrtausenden zu identifizieren und bestimmten Pflanzen zuzuordnen. Archive, in denen sich Pollenkörner und andere Pflanzenreste erhalten, müssen ein für Mikroorganismen lebensfeindliches Milieu besitzen, was z. B. unter Wasser, in Torfen oder auch im Eis der Fall ist. Hier kann sich die Pollenwand tausende von Jahren bis gar Jahrmillionen erhalten, während ihr lebender Inhalt, das Protoplasma mit den Spermazellen, natürlich längst abgestorben ist. Die wechselnde Zusammensetzung der Pollenkörner und Sporen in den Mooren des Montafons aber verrät uns, wie die Landschaft aussah und wie und wann der Mensch begann, die Umwelt in diesem Alpental zu nutzen und zu verändern.Die Wissenschaftsdisziplin, die sich mit diesen Untersuchungen befasst, wird Pollenanalyse genannt und ist Teil der Archäobotanik. Das Tschuga Moor am Bergknappenweg bietet bis heute die längste Sequenz an Moorablagerungen, die die frühe Besiedlungsgeschichte am Bartholomäberg bis in das 3. Jahrtausend v. Chr. zurückverfolgen kässt.

 

Der Silberstollen im Obwald - ein historisch überliefertes Bergwerk am Bartholomäberg

Für das Berggericht Montafon, das sich über die Talschaften Klostertal, Montafon, Thannberg, und das Umland von Bludenz bis nach Dornbirn erstreckte, sind beinahe keine bildlichen Darstellungen zum mittelalterlichen bis frühneuzeitlichen Bergbau bekannt. Für die Bergwerke am Bartholomäberg gibt es aus der Barockzeit ein 1745 datiertes Aquarell, auf dem das Mundloch einer als ‚Silberstollen‘ bezeichneten Grube, dargestellt ist.

Es handelt sich um den bislang einzigen Stollen am Bartholomäberg, der durch eine historische Quelle lokalisiert werden konnte und dessen alter Name überliefert ist.Der von der Kirche St. Bartholomäus aus in Serpentinen hangaufwärts führende Weg passiert mehrere heute noch lokalisierbare Hofstellen und führt zum Mundloch des Stollens. Auf dem Weg nach oben befinden sich zwei Bergleute, die Abbauwerkzeuge in Form von Keilhauen geschultert haben. Aus dem Stollen kommt ein Bergmann und führt den Abraum mit Hilfe eines Schubkarrens auf die Halde. Auf der Rückseite des Aquarells ist die Lage des Silberstollens verzeichnet:  der Flurname „Widenwald“ oder „Widumwald“ deutet auf einen Pfarreibesitz hin und ist tatsächlich auch noch heute der Wald der Pfarre, obgleich sich in der Vergangenheit ein Namenswechsel in „Obwald“ vollzogen hat. Mithilfe dieser Angaben konnte das bis dahin unbekannte Bergwerk erst im Sommer 2009 im Gelände wieder „entdeckt“ und verifiziert werden. Im steilen Berghang sind die halbrunde Abraumhalde und das verstürzte Stollenmundloch noch gut erhalten.

Es gibt verschiedene Hinweise darauf, dass es sich bei dem Silberstollen um einen älteren Abbau handelte, der zum Entstehungszeitpunkt des Aquarells im Jahre 1745 wiederbefahren wurde, um die noch vorhandenen Erzadern abzubauen. Die Ursprünge des Bergwerks im Widumwald werden mit hoher Wahrscheinlichkeit im Spätmittelalter beziehungsweise der frühen Neuzeit zu suchen sein. Bemerkenswert ist dennoch, dass in der Barockzeit noch einmal versucht wurde die Bergwerke am Bartholomäberg neu zu belegen.

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Autor

Montafon-Projekt der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Texte: Prof. Dr. Rüdiger Krause und Mitarbeiter, Institut für Archäologie Wissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Aktualisierung: 07.06.2017

Anreise mit der Bahn, dem Auto, zu Fuß oder mit dem Rad

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